A Travellerspoint blog

July 2007

Schenken ist schön ...

... viel schöner noch als bekommen!

-17 °C

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Wenn ich meine Kinder betrachte, dann hab ich sie zum "Fressen" gern, so "gschtiascht" sind sie und ihre strahlenden Augen lassen mich vergessen, dass sie nicht viel haben, dass ihre Kleider zerrissen sind und die Schuhe Löcher haben. Aber die Kälte und der strömende Regen holen mich auf den Boden der Tatsachen zurück und für mich ist klar: bevor ich mich von meinen kleinen Freunden in den Bergen verabschiede, komme ich mit einem Paar Schuhe und einem persönlichen Geschenk für jeden sowie mit einem leckeren Kuchen zurück. Und dank meinem lieben Freund Martin und seiner Gemeinde sowie all meinen Lieben zu Hause: Mama und Papa, Oma und Opa, Onkel Hansi, Tante Hilde und Tante Anni kann ich mich am Markt auf die Suche nach Schuhen und Geschenken machen. Bepackt mit 25 Taschen und einem Riesenkuchen mache ich mich vor meinem Abflug in die Heimat noch einmal auf den Weg in die Schule.

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Schon am Eingangstor erwarten mich alle Kinder, sie stürmen mir mit "senortia, senorita" entgegen, 25 Kinder stürzen auf mich, das wird mir fast zu viel! Doch dann kehrt Ruhe ein, muchsmäuschenstill sitzen sie in der Klasse und warten mit glänzenden Augen auf ein Stück Kuchen und ein Pakterl Milch. Und als sie mir danach persönliche Karten schenken, beginnen meine Augen zu glänzen. Einen Text möchte ich hier in den Worten des Kindes niederschreiben und für euch übersetzen:

El Carmen de junio del 2007

Ola senorita silvia le mando esta carta para decirle que la quiero con todo mi corazon y usted que es una buena senorita y nos ha ensenado muchas cosas muy bonitas y lo que nos ha ensenado se queda en mi corazon adios senorita Silvya

Hallo fräulein silvia ich schenke diese karte um zu sagen dass ich sie sehr gern habe, mit meinem ganzen herzen und sie sind ein gutes fräulein und sie haben uns viele schöne dinge gelehrt und das was sie uns gelehrt haben behalte ich in meinem herzen adios fräulein Silvya

Ich bin froh, dass ich die Karte erst später gelesen habe, ich hätte vor lauter Rührung ja nur noch geweint!

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Zum Weinen ist jetzt aber keine Zeit, denn ich muss ja die Geschenke verteilen und ausserdem möchte ich die Augen der Kinder sehen, wenn sie die Taschen öffnen.

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Mir kommts vor wie Weihnachten und wenn ich den Kindern so zuschaue, dann macht mich das so glücklich und ich denke: schenken ist so schön, viel schöner noch als bekommen!

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Alle sind glücklich mit ihren Geschenken und die Wünsche waren bescheiden, eine Puppe, Filz- oder Buntstifte oder vielleicht ein Teddybär, diese Wünsche habe ich von Herzen gerne erfüllt.

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Im Namen aller Kinder und ihren Eltern, dem Direktor Jorge und den Lehrerinnen Sandra und Magaly sage ich allen ein herzliches Danke, die mir geholfen haben, das alles geben zu können:o)

eure Sylvia

Posted by Sylvi 02:23

Vamos a la playa ...

... denn wir haben noch nie das Meer gesehen

-17 °C

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Mein Praktikum ist bald vorbei, die Schule ist bald aus, da hat der Direktor Jorge eine gute Idee, gemeinsam fahren wir zum Meer hinaus. Es wird ein Bus organisiert, und dann eines donnerstags um Mitternacht machen sich die Bergbauern mit Kind und Kegel auf den langen Weg zum Meer.

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Nach dem ersten Staunen wird einmal richtig gefrühstückt, ein lustiges Bild: die Bauern - v.a. die Alten in ihrer Tracht - packen Eier, Saubohnen, Reis und Huhn aus ihren grossen Säcken oder Zeitungspapier und stärken sich für den grossen Badespass. Sie laden mich zum Essen ein, doch in Gedanken an meinen Darm und Magen lehne ich dankend ab.

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Und dann wird der Bus zu einer grossen Umziehkabine umfunktioniert und die Bademode ausgepackt. Auch einige Omas wagen den Sprung ins nasse Kühl. Die Oma in der Tracht allerdings bevorzugt inzwischen auf ihr Enkerl aufzupassen und den Bus zu bewachen.

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Katherine, die kleine Meerjungfrau, geniesst das Bad im Meer wie alle ihre kleinen und grossen Freunde, stundenlang bleiben sie im knietiefen Wasser.

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Für die Nichtschwimmer - also für alle - hat Direktor Jorge eine gute Idee, er hat ein langes Seil mitgenommen, an das sich v.a. die Älteren klammern. Die Kinder werfen sich nach einiger Zeit mutig in die Wellen, des öfteren hört man aufgeregtes Keuchen und Husten - die Wellen überraschen die Kinder und sie schlucken jede Menge Meerwasser, aber das kann ihnen die Gaudi nicht vermiessen.

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Irgendwann geht der Badespass dann doch zu Ende, ab gehts in die grosse Umziehkabine, Oma und Opa, Kind und Kegel sind wieder einmal so richtig gewaschen. Heim geht die Reise, aber keine Rede von still und leise! Hat man das nicht selbst erlebt, ist es schwierig sich das alles vorzustellen, aber ich kann euch sagen, die Gerüche im Bus, die Musik, die müden aber strahlenden Augen und den Bauern, der stundenlang im Bus auf- und abgeht und uns ein Schnapserl anbietet, all das werde ich nie vergessen!

Posted by Sylvi 01:18

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