A Travellerspoint blog

February 2007

Schaffe, schaffe Haeusle baue ...

Hallo Ihr Lieben!

Heute moechte ich euch ein bissl aus meinem Arbeitsalltag erzaehlen:
Ich sage nur, lateinamerikanische Uhren ticken anders. Seit 01.02. gehe ich jeden Tag brav zur Arbeit im "Casa Hogar Madre de la Merced" - ein Kinderheim fuer Kinder von Muettern aus dem Gefaengnis in Quito,

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das sich in der schoenen aber etwas gefaehrlichen Zone der Altstadt von Quito befindet und einen herrlichen Ausblick bietet.

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Im Dezember wurde mir gesagt, dass das Haus Ende Jaenner fertig sei, und die Kinder aus dem Gefaengnis geholt wuerden. "Sehr gut" habe ich gedacht, dann fange ich anfangs Februar an. Aber es kommt halt immer anders, als man denkt. Das Haus - ein wirklich schoenes, historisches Konvent mit grossem Anwesen - ist nicht fertig. Zur Zeit wird gebaut, gezimmert und geputzt.

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Mit Glasscherben schuetzt man die Anwesen hier gegen ungebetene Eindringlinge:

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Fuer mich ist es dennoch - wenn auch etwas muehsam, denn keiner kennt sich noch so richtig aus - sehr, sehr interessant und lehrreich, weil ich bei der gesamten Konzeptarbeit und Vorbereitung des sozialpaedagogischen Teams dabeisein kann.

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Und ueberraschenderweise faellt mir das Fachsimpeln auf Spanisch sehr leicht. Ich kann viele meiner Erfahrungen hier einbringen und kann dabei feststellen, dass wir in Tirol im Sozialbereich sehr gute Arbeit leisten ...

Und das sind (von links) wir Voluntarios, beginnend mit Erzieherin Esmeralda, Studentin aus Deutschland Alex, Schiffbauer aus dem Amiland Jonathan und meiner einer ...

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... un beso eure sylvi

Posted by Sylvi 16:28

Ein ungewoehnlicher Reisebericht ...

... oder von Gestalten, die einem auf dem Weg so unterkommen!

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Von der Sierra an die Kueste: 6. - 28. Jaenner 2007

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Ich darf sagen: "Auf der ganzen Reise habe ich wirklich "Schwein" gehabt" :o) (ausser das Problemchen mit der Kamera - danke an Paps :o)

Begonnen hat die Reise bei den "Otavaleños":

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Ihr kennt doch sicher die "Indios" mit den langen schwarzen Zoepfen, die bei uns in den Staedten ihre Andenmusik spielen?! Das sind die Otavaleños. Sie gehoeren zu den Indigenas, die ihre Kultur, ihre Musik und ihre Artesanias in der ganzen Welt vermarkten und das mit grossem Erfolg. Sie wissen sich auch hier in Ecuador zu vermarkten, und ihre Stadt mit dem grossen Samstagmarkt gehoert zum touristischen Highlight. Neben einem eindrucksvollen Viehmarkt verwandelt sich die Stadt in einen einzigen, kunterbunten Handelsplatz, schwer zu beschreiben, das muss man selbst erleben! Ausserdem fasziniert die Landschaft rundherum, viele Seen und Gipfel der noerdlichen Andenkette.

Kai und die Baeren:

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In Otavalo habe ich den kleinen "Kai" mit seinem Daddy Bill und seiner Mummy Paula aus Nueva Mexico kennengelernt. Der Kleine reist mit seinen Eltern ein Jahr durch ganz S-Amerika, von Herberge zu Herberge. Ein aufgeweckter Junge, ohne jegliche Scheu vor Menschen und Tieren. Hier - an der Laguna Mojanda - spielt Kai mit "seinen" Baeren, waehrend wir stundenlang wandern. Kai weiss sich zu beschaeftigen.

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Von Otavalo geht`s per Autostop weiter nach Zuleta. Hier an der Ecke kommt leider kein Auto vorbei, so sperrt der Chef des Ladens nebenan kurz mal seinen Laden zu, und nuetzt die Gelegenheit, ein kleines Gschaeftl mit 2 Touris zu machen. Mit seiner Klapperkiste gehts ab durch die Berge bis Zuleta.

Die Geschichte vom Gemuese-LKW:

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Martin und ich wollen zum Schneeberg Cayambe und das im Bus. Leider treffen wir auf eine Strassensperre, und es heisst warten. Wir beschliessen ein Auto anzuhalten, und nach kurzer Zeit nimmt uns ein Bauer in seinem Gemuese-Lkw mit. Hier in dem Foto bekommt man keinen Eindruck von dem Geholpere, aber ich spuers heute noch in meinen Knochen. Ausserdem ist die Aussicht nicht besonders gut, ich muss mich schon sehr weit rauslehnen, um was zu sehen - und da ists auch schon passiert: vor lauter Geholpere ist mir die Kamera aus der Hand und auf die Pflasterstrasse gefallen. Martin kann sie gerade noch vor dem folgenden Auto retten, aber das Objektiv ist leider nicht mehr zu retten!

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Und bei diesem Zwischenstop - als der Bauer sieht, wie staubig wir sind -wuerde er doch wirklich seine Frau auf die Ladeflaeche schicken. Wir glauben, nicht richtig gehoert zu haben und steigen schnell wieder ein. Jaja, die Maedls haben auf dem Land nicht viel zu melden!!

Hacienda Shungu Huasi - am Fusse des Cayambe:

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Hier geniessen wir mal das Glueck dieser Erde auf dem Ruecken der Pferde. 3 Stunden lang am Fusse des Schneebergs Cayambe, der sich leider wegen Nebel nie ganz zeigt.

Chachimbiro:

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Dazu kann ich nur sagen, hier fuehle ich mich Gott am naechsten!

Nach diesen "Natur-Pur-Erlebnissen" ist`s dann wirklich mal noetig ...

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... sich die Schuhe putzen zu lassen ...

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... und zu einem "gscheidn" Friseur zu gehen. Und dann kann die Reise weitergehen:

Mit diesem "Zug" von Ibarra an die Kueste nach San Lorenzo?

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Unterwegs treffen wir auf einige Blockaden auf den Gleisen ...

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... aber in Ecuador hat der weibliche Bahnhofsvorstand alles im Griff!!

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Endlich Sonne, Strand und Meer?

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Damit muessen wir uns noch ein bissl gedulden. Nach 6 Stunden Zug- und Busfahrt kommen wir im schwuelen, staubigen San Lorenzo an. Hier gibts fast nur schwarze Einheimische wie den Gerardo Borja neben mir. Er geniesst eine Zigarette von Martin und freut sich wie ein kleiner Junge, als Martin ihm seine Sonnenbrille schenkt, waehrend wir auf den Bus warten, der uns endlich ans Meer bringen soll.

Endlich ...

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... Sonne, Strand und Meer - auch die Kueste Ecuadors gefaellt mir sehr :o)

Posted by Sylvi 17:01

Kinderaugen

Das Laecheln der Kinder

Diese Eintragung moechte ich allen Kindern widmen :o)

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(Jonny und seine Cousine - mercado Iñaquito)

"Du schaust sie an die Kinderaugen,
du schaust sie an, wie sie strahlen.
Du schaust sie an so kleine Sorgen,
und die Welt scheint noch verzaubert.
Kinderaugen leben in einer Welt, sie ist verzaubert,
Kinderaugen sehn die Welt so wie`s ihnen gefaellt.
Kinderaugen leben in einer Welt voller Magie,
vergiss das nie."
(dein Lied - Melanie - passt so gut in die Welt :o) der Kinder)

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(Jakob aus dem Chotatal)

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(die Jungs vom Chotatal - Heimat der besten Fussballer Ecuadors)

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(Martin und die Fischer von Canoa - Provinz Manabi)

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(die Meerjungfrauen von Canoa - Provinz Manabi)

Aus dem Buch "Hectors Reise oder die Suche nach dem Glueck" ...

... Eine Menge schwarze Damen und Herren wanderten die staubige Strasse entlang und kleine Kinder ohne Schuhe gab es auch, und wenn das Auto in einem Stau feststeckte, kamen diese kleinen Kinder naeher um zu betteln. Sogar durch die getoente Scheibe hatten sie Hector erspaeht, sie streckten ihre kleinen Haende in seine Richtung und laechelten so, dass man ihre schneeweissen Zaehne sehen konnte.
"Du brauchst nicht zu versuchen, die Scheibe runterzulassen", sagte Jean-Michel, "ich habe sie blockiert." ...

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Dieser Absatz erinnert mich an Quito-Stadt. Die Menschen auf der Strasse und die Kinder preisen ihre Ware an oder machen Kunststuecke, wenn die Ampel auf rot steht. Sie leben gefaehrlich, klopfen an die Scheiben, und wenn du sie anlaechelst, werden sie noch aufdringlicher.
Meine Familie hier - die Einheimischen - sind das gewoehnt, sie beachten die Kinder nicht mehr, sie versperren Tueren und Fenster. Aber ich kann mich nicht ganz daran gewoehnen!

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(Kinder auf dem Heimweg von der Schule zwischen San Pablo und Zuleta)

... "Aber warum machen sie gerade mir solche Zeichen?" meinte Hector und sah ein niedliches Maedchen, das ihm seine kleinen rosa Handflaechen entgegenstreckte. "Weil sie mitbekommen haben, dass du hier neu bist", antwortete Jean-Michel. ...

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(Maedls aus der comunidad Laguna Quilotoa, Provinz Cotopáxi)

Die Strassenkinder hier in Quito, die Schuhputzerjungen - sie sehen, dass ich nicht von hier bin, sie sehen, dass ich sie noch beachte und anlaechle und nicht ignoriere. Aber dann verfolgen sie mich "Gringa, gringa unos centavos por favor (Auslaenderin, Auslaenderin, einige cents bitte)!" Und irgendwann beginne ich, sie (mit schlechtem Gewissen) auch zu ignorieren ...

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(Kinder vor ihrem Haus im staubigen Olmedo, Provinz Cayambe)

... Hector versteht das Laecheln der Kinder besser: Hector wollte wissen, weshalb die Kinder, die er in der Stadt gesehen hatte, immer laechelten, obwohl sie doch auf der Strasse lebten und keine Schuhe und nichts hatten, oft nicht einmal Eltern, die sich um sie kuemmerten. Die grossen Leute hingegen, die laechelten nicht, und das konnte man auch verstehen, bei dem Leben das sie fuehrten. Aber warum wirkten die kleinen Kinder so froehlich?

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(mit Mam(it)a auf dem Tiermarkt in Otavalo)

Alle fanden die Frage sehr interessant, und es gab eine Menge Antworten: "Weil sie ihre Lage noch nicht begreifen; sie koennen ja keine Vergleiche anstellen," meinte einer. "Das kommt, weil die traurigen Kinder schneller sterben, also sieht man sie nicht mehr. Am Ende ueberleben nur die, die froehlich sind," antwortete ein anderer. "Weil es ihnen Spass gemacht hat, Hector zu sehen," amuesierte sich ein weiterer. "Weil sie wissen, dass man zu einem laechelnden Kind freundlicher sein wird," beschloss der letzte.
Alle fanden, dass diese Erklaerung die beste war. Das ist also eine Sache, die alle Kinder wissen muessen, wenn sie ueberleben wollen: Zu einem laechelnden Kind ist man freundlicher. ...

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(ich und die kleine Chefin vom Minimarket in el Chaupi - Provinz Cotopáxi)

Und ab jetzt kann ich in meinem Voluntariat einen Beitrag fuer die Kinder in Ecuador leisten - mit den Kindern von Muettern, die in Quito im Gefaengnis sitzen.

Posted by Sylvi 09:26

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